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Warum ich mich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiere

„Grün“, sagt Amir und lächelt mich an. Ich bin dran, wir spielen Uno und ich bin mit meinen blauen Restkarten nicht sehr glücklich über den Farbwechsel. Es ist Spielenachmittag bei „Deutsch ohne Grenzen“ in Wien. Seit Anfang des Sommers bin ich bei der Freiwilligeninitiative, die Deutschkurse und ein wöchentliches Spielecafé anbietet.

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Am Anfang war einfach der Wille, Menschen in Not zu helfen. Und dann ging’s ganz schnell. NGOs suchten ehrenamtliche HelferInnen zur Mitarbeit. Immer mehr Menschen fanden sich zusammen, um selbst etwas auf die Beine zu stellen. So bin ich zu „Deutsch ohne Grenzen“ gekommen, bin wöchentlich zum Erstaufnahmezentrum Traiskirchen gefahren, um bei der Spendensortierung zu helfen, oder auch zum Wiener Hauptbahnhof, um ankommende Flüchtlinge zu betreuen.

Unvergessliche Momente

Wenn Menschen Unterstützung brauchen, halte ich es für selbstverständlich zu helfen. Ich habe selbst knapp ein Jahr im Ausland studiert. Ich kann nachvollziehen, wie es ist, sich auf eine neue Umgebung einzustellen, eine fremde Sprache zu lernen, seine Liebsten zu vermissen. Jedoch hatte ich immer die Gewissheit, wieder zurückkommen zu können, meine Familie wohlauf vorzufinden, unser Haus unbeschadet stehen zu sehen und wieder in mein altes Leben schlüpfen zu können.

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Das können die Menschen, die zum Beispiel aus Syrien, Afghanistan oder Somalia geflohen sind, nicht. Deswegen unterstütze ich sie in meiner Freizeit. Neben der Bereicherung, Menschen aus anderen Kulturen kennen zu lernen, habe ich auch viele schöne Momente beim gemeinsamen Engagement mit vielen anderen HelferInnen erlebt.

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Für mich ist es berührend zu sehen, wie viele Menschen in Österreich einen Beitrag leisten. In den Kursen rührt es mich, wie motiviert meine SchülerInnen sind, wie sie einander helfen, wenn Neue dazukommen, wie schnell sie Fortschritte machen. In jeder Stunde lerne auch ich dazu, beispielsweise über die Schulfächer und das Notensystem einer afghanischen Schule, wenn ich mit einem Jungen sein Maturazeugnis übersetze. Fremdsprachen spricht er mehr als ich, nämlich sechs.

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Spielend Sprachen lernen

„Sabz“, wiederhole ich innerlich die Farbe auf Persisch, als mein nächster Uno-Mitspieler aus Afghanistan eine grüne Karte zieht. Diese Runde gewinne ich wohl nicht mehr, dafür habe ich im letzten Jahr jedoch so viel mehr gewonnen: neue FreundInnen und wertvolle Erfahrungen, die ich auf keinen Fall missen möchte.

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erschienen in: Stadt Gottes 12/2015

alle Fotos: Milena Österreicher

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