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0,7 Prozent der Baumwolle wird weltweit biologisch angebaut. „Nullkommasiebenprozent“ ist deshalb auch der Name des neuen Wiener Modelabels von Catherine Fischer und Thomas Patz.

Zwei junge Menschen gründen ein Modelabel. Einerseits wollen sie den Markt mit ihren Taschen und T-Shirts „aufwirbeln“. Und andererseits meint Catherine Fischer: „Weil ich finde, dass es erst einen geringen Markt gibt, der schöne Bio- und Fairtrade Kleidung produziert. Der Fokus liegt bei uns auf dem Design.“

Thomas Patz kam im Zuge seines Studiums der Internationalen Entwicklung auf die Idee, selber ein Modelabel mit Bio-Baumwolle und sozialen Richtlinien zu gründen. Da seine Freundin Catherine in der Schule Textildesign und Siebdruck gelernt hatte, wurde die Idee bald realisiert. Sie gründeten ihr eigenes Modelabel „Nullkommasiebenprozent“ und gingen damit Mitte April 2013 an die Öffentlichkeit.

Nur 0,7 Prozent der Baumwolle wird weltweit biologisch angebaut. „Beim herkömmlichen Anbau ist es einfach: wenn‘s der Pflanze nicht gut geht, hau‘ ich Dünger und Pestizide drauf.“, erklärt Patz überspitzt. Den Boden kann diese Anbaumethode schädigen und nach längerer Zeit unfruchtbar machen. Bio-Baumwolle kommt hingegen ohne giftige Pestizide aus. Statt Kunstdünger werden Kompost und Fruchtfolge eingesetzt.

Die Bio-Baumwolle beziehen die beiden aus Afrika und Indien. Besonders die regionale Wertschöpfung in Kenia, Tansania und Uganda ist ihnen wichtig. Alles wird in der Region produziert – vom Faden bis zum T-Shirt. Danach geht es nach Österreich, wo die Produkte von den beiden Wienern zuhause mittels Siebdruck bedruckt werden.
Neben dem nachhaltigen, ökologischen Aspekt sind Fischer und Patz soziale Standards wichtig. Geregelte Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit und ein gewisses Mindesteinkommen. Das garantieren Gütesiegel wie „Fair Wear“ oder „GOTS“ („Global Organic Textile Standard“).

Der Weg für das Unternehmen war ohne große Geldgeber schwierig. Die beiden finanzieren ihr Projekt durch Arbeit und viel Sparen. Momentan läuft der Verkauf online und demnächst auch auf Mode-Messen.

Einen gesellschaftspolitischen Wandel durch Projekte, wie „Nullkommasiebenprozent“ bezweifeln sie: „Das ist eine sehr idealistische, romantische Vorstellung“. Doch Patz wünscht sich ein Umdenken. Die Menschen sollen sich bei ihren Einkäufen fragen: „Was hab‘ ich da eigentlich in den Händen?“

 

Foto: Nullkommasiebenprozent

erschienen in:  über.morgen 05/2013